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90 Jahre Bäckerei Breuß

90 Jahre sind eine lange Zeit. Eine Zeit, in der sich vieles verändert hat –
und gleichzeitig vieles gleich geblieben ist. In diesem Text möchten wir unsere Geschichte ein Stück weit erzählen. Wie alles begonnen hat, wie sich der Betrieb entwickelt hat und was hinter unserem Handwerk steckt. Weil wir glauben, dass genau diese Einblicke zeigen, was eine Bäckerei wirklich ausmacht.

Unsere Geschichte

Es gibt Geschichten, die beginnen mit einer Idee. Und es gibt Geschichten, die beginnen mit Mut. Unsere beginnt im Jahr 1936, als Otto Breuß Senior die Bäckerei von der Ölzmühle übernommen hat. Kein großes Konzept, kein fertiger Plan, sondern einfach die Entscheidung, etwas Eigenes aufzubauen. Mit dem, was da war, und mit dem, was man konnte. Es war ein kleiner Betrieb, ein einfacher Laden, geprägt von der Zeit, in der er entstanden ist. Gebacken wurde mit den Mitteln, die verfügbar waren, verkauft wurde direkt vor Ort, und alles war Handarbeit im wahrsten Sinn des Wortes. Dann kam der Krieg. Die Bäckerei musste zeitweise schließen, weil Otto eingezogen wurde. Eine Zeit, die vieles unterbrochen hat – nicht nur im Betrieb, sondern im ganzen Leben. Und trotzdem ging es danach weiter. Es wurde schnell erkannt, dass Brot eines der wichtigsten Lebensmittel für die Grundversorgung damals war. Und dass der Bäcker im Krieg nicht für die Gemeindebewohner:innen backen kann. Also wurde er nach kurzer Zeit wieder nach Hause geschickt, um seine Mitmenschen zu weiter mit Brot zu versorgen. Schritt für Schritt wurde wieder also wieder aufgebaut, weitergemacht, nicht weil es einfach war, sondern weil es notwendig war. Vielleicht liegt genau darin ein Teil der Grundlage, auf der unser Betrieb heute noch steht: weitermachen, auch wenn nicht alles planbar ist.

1961 übernahmen Otto Breuß Junior und seine Frau Trudi die Bäckerei. Mit ihnen begann eine neue Phase. Der Betrieb wurde größer, moderner, strukturierter. Es wurde investiert, umgebaut und erweitert, immer mit dem Ziel, die Bäckerei weiterzuentwickeln und gleichzeitig das Handwerk zu erhalten. Viele Erinnerungen aus dieser Zeit wirken heute fast selbstverständlich und waren damals doch echte Fortschritte. Eine Waschmaschine, die den Alltag erleichtert hat. Die erste Kassa. Später der erste Computer. Kleine Dinge vielleicht, aber mit großer Wirkung. Sie zeigen, dass sich der Betrieb immer weiterentwickelt hat, ohne sich selbst zu verlieren.

Wenn man auf diese Jahre zurückblickt, zieht sich ein Gedanke durch: Der Betrieb war nie fertig. Es wurde immer wieder angepasst, verändert, erweitert. Aus einem kleinen Laden wurde Schritt für Schritt das, was heute da ist – mit Verkaufsraum, Café, Konditorei, Backstube, Lager und allem, was dazugehört. Und auch heute wird wieder gebaut, renoviert und weitergedacht. Nicht, weil alles neu sein muss, sondern weil Stillstand nie wirklich eine Option war. Während draußen etwas entsteht, läuft drinnen der Ofen weiter. Brot wird gebacken, jeden Tag, so wie immer.

Mit Johannes und Veronika kam die nächste Generation in den Betrieb. Sie haben die Bäckerei weitergeführt, modernisiert und gleichzeitig den Charakter bewahrt. Das Café ist entstanden, die Konditorei wurde ausgebaut, und der Betrieb hat sich zu dem entwickelt, was er heute ist. Dabei ging es nie nur darum, größer zu werden, sondern darum, das Handwerk ernst zu nehmen und gleichzeitig offen für Neues zu bleiben. Ein schönes Beispiel dafür ist auch der Weg zurück in die Konditorei: Nach vielen Jahren im Büro hat Johannes wieder begonnen, selbst in der Produktion zu arbeiten. Nicht aus Pflicht, sondern aus Freude am Tun. Und genau das merkt man.

Viele unserer Produkte sind nicht einfach irgendwann entstanden, sondern haben sich über Jahre entwickelt. Das Rheintaler Brot zum Beispiel geht auf eine Idee von Otto zurück, der für seine Yoga-Gruppe ein Vollkornbrot gebacken hat - Bio Brot hat er es genannt. Später konnte es nicht mehr als „Bio“ bezeichnet werden und wurde zum Hausbrot. Über die Jahre wurde das Rezept immer wieder angepasst, verändert und weiterentwickelt, bis zu dem Brot, das heute bei uns im Regal liegt. Es ist ein gutes Beispiel dafür, wie wir arbeiten: nicht stehen bleiben, sondern weiterdenken – aber immer auf einer Basis, die schon lange da ist.

Auch die Technik hat sich verändert. Vom ersten Computer bis hin zur eigenen Bäckereisoftware, die Johannes gemeinsam mit seinem Sohn Mark und Geschäftspartner Christian entwickelt hat. Ein System, das dabei hilft, Abläufe zu verbessern, nachhaltiger zu planen und den Betrieb weiterzuentwickeln. Und trotzdem bleibt das Entscheidende gleich. Der Teig wird angeschaut, das Brot wird gefühlt, und der richtige Moment wird nicht vom Bildschirm bestimmt. Technik kann unterstützen, aber sie ersetzt kein Handwerk.

Heute ist die Bäckerei Breuß ein Familienbetrieb mit vielen Gesichtern. Backstube, Konditorei, Verkauf und Café – jeder Bereich hat seine Menschen, seine Aufgaben, seinen Rhythmus. Viele Mitarbeiter:innen sind schon lange Teil des Teams, und auch viele Kund:innen begleiten uns seit Jahren oder sogar Jahrzehnten. Es gibt Menschen, die als Kinder mit ihren Eltern zu uns gekommen sind und heute selbst mit ihren Kindern im Laden stehen. Geschichten, die sich über Generationen weiterziehen und die zeigen, dass eine Bäckerei mehr ist als ein Ort, an dem Brot verkauft wird.

Mit Viktoria ist inzwischen die nächste und somit 4. Generation im Betrieb angekommen. Mit neuen Ideen, neuen Perspektiven und auch neuen Herausforderungen, aber mit dem gleichen Grundgedanken: das weiterzuführen, was da ist, und gleichzeitig den eigenen Weg zu finden. Denn jede Generation bringt etwas Eigenes mit, und genau das hält einen Betrieb lebendig.

 

Wenn man auf 90 Jahre zurückblickt, könnte man meinen, dass irgendwann alles erzählt ist. Aber eigentlich ist das Gegenteil der Fall. Es sind nicht die großen Ereignisse, die diese Geschichte ausmachen, sondern die vielen kleinen. Die täglichen Entscheidungen, die Veränderungen über die Jahre, die Menschen, die ein Stück des Weges mitgegangen sind. 90 Jahre bedeuten nicht nur Vergangenheit, sondern auch Verantwortung für das, was kommt. Und vielleicht ist genau das das Schönste daran: Dass diese Geschichte nicht abgeschlossen ist, sondern jeden Tag weitergeschrieben wird – mit jedem Brot, das gebacken wird, und mit jedem Menschen, der zur Tür hereinkommt.

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